FAQs

Die englischsprachige Umschreibung "FAQ" (für Frequently-Asked-Questions) klingt zwar etwas sperrig - entspricht aber der üblichen Benennung solcher Wissensdatenbanken im Internet, weshalb ich das Kürzel als Seitenüberschrift beibehalten habe.  



Sammlung der häufigsten Fragen und Antworten

Saitenpflege

Grundsätzlich sollte ausser sauberen Händen NICHTS anderes an die Saiten kommen - keine Creme, keine Putzmittel, keine Microfaserlappen (deren Fusseln in der Umspinnung hängen bleiben), kein Spülmittel und auch kein Alkohol/Spiritus. Dadurch halten die Saiten am längsten. Jeder Versuch die Saiten in irgend einer Form zu pflegen, verschlimmbessert den Zustand.

  • Wenn eine Metallumspinnung nicht mehr schön aussieht (abgegriffen und/oder oxidiert), die Saite gegen eine neue austauschen.
  • Klebt eine Darmsaite, dann hat sich die Lackschicht abgegriffen und der dann ungeschützte Darm löst sich durch Feuchtigkeit und Handschweiss an (quillt praktisch auf) - Saite austauschen.
  • Spürt man an einer Saite so etwas wie ein Härchen/Spliss/Frissel, dann ist sie mechanisch defekt und erzeugt auch keinen sauberen Ton mehr - austauschen.

Zuletzt aktualisiert am 8. März 2021 von K.Stielow.

Mit Ballistol oder Möbelpolitur die Harfe auffrischen?

Auf gar keinen Fall !!!

Ballistol ist Weißöl und härtet nicht aus - trocknet also nicht sondern bleibt langfristig in einer annähernd cremigen (nicht verharzenden) Konsistenz wie Vaseline.
Ist die Oberfläche der Harfe lackiert, löst das Weißöl den Lack etwas an und die Oberfläche wird stumpf.
Ist die Oberfläche aus Schellack, löst das Weißöl die oberen Schichten an und die Oberfläche wird milchig.
Ist die Oberfläche ein Hartöl (zum Beispiel Osmo oder Kunos), sind meistens Leinölfirnis-Bestandteile enthalten, die beim Trocknen auf/im Holz im Laufe der Zeit (und durch UV-Licht) auspolymerisieren und dadurch eine schicht-deckende "feste" Oberfläche ausbilden. Weißöl würde die polymerisierte Oberfläche wieder anlösen ("entketten") und dauerklebrig machen.

Weißöl ist auch Hauptbestandteil in WD40, Möbelpolituren (wie Poliboy) und manch "hochwertigem" Putzmittelchen !!!

Der Hersteller der Harfe sollte beim Kauf eine Pflege-Empfehlung mitgegeben haben. Im Idealfall verwendet man nach Jahren das gleiche Hartöl und streicht mit einem nebelfeuchten Baumwolltuch über die Oberfläche (sehr, sehr sparsam!).
Schellackoberflächen sollten nur von jemandem behandelt werden, der weiss was er da tut, sonst löst man die Schichten ab und es verschmiert hässlich.
Lackoberflächen sollten so pflegeleicht sein, dass ein leicht feuchter Lappen zum Staubabnehmen völlig ausreicht.

Zuletzt aktualisiert am 16. März 2021 von K.Stielow.

Pflege

Antwort

Zuletzt aktualisiert am 17. April 2021 von K.Stielow.

Stimmwirbel sind locker

Ein Stimmwirbel klemmt nicht mehr richtig, dreht sich gegen die Saitenspannung von selbst zurück oder die Saite dreht sich des Nachts selbst vollständig vom Wirbel ab ... ?!?
Das kann schon mal passieren. Während der Metallwirbel von Umgebungseinflüssen relativ unbeeindruckt zu bleiben scheint, so arbeitet das Holz in dem er steckt bei Temperatur- und Feuchtigkeitsänderungen.

Ein normaler Harfen-Stimmwirbel hat eine konische Bauform. Die rechte Seite, an dem der Stimmschlüssel angesetzt wird, ist deutlich dicker als das linke Ende, an dem die Saite befestigt wird. Genau passend zu dieser Steigung wurde das Loch im Holz mit Reibahlen und Kegelstiften ausgearbeitet. Dadurch liegt der Wirbel im Loch des Wirbelstockes vollflächig an. Die Konus-Steigungen sind nicht standardisiert, orientieren sich aber oft an Violinen-Wirbeln.

Im Normalfall sollte es ausreichen, den Wirbel eine halbe Umdrehung zurück zu drehen - also die Saite zu entlasten. Während man die Saite wieder spannt und auf den Zielton stimmt, drückt man mit dem Stimmschlüssel etwas kräftiger auf den Wirbel. Dadurch verklemmt sich der Stimmwirbel wieder im Holz. Bildlich gesprochen presst man den Wirbel mit dem Stimmschlüssel in einer rechts-drehenden Bewegung tiefer in das Holz.

Auf gar keinen Fall den Wirbel mit einem Gegenstand in das Holz schlagen! Dadurch werden die Fasern in der Holzstruktur dauerhaft gestaucht und die Flanken des Wirbels liegen nicht mehr überall an. Die Auflagefläche verkleinert sich also durch die Deformation und das Problem verschlimmert sich noch. Zudem birgt ein Schlag auf den Wirbel auch die große Gefahr, das man das Holz des Wirbelstockes spaltet und Risse entstehen. Das würde in jedem Fall einen wirtschaftlichen Totalschaden bedeuten (als vorsätzliche Misshandlung erfolgt keine Gewährleistung!).

Sollte der Stimmwirbel trotzdem nicht mehr zuverlässig klemmen, die Saite vollständig abwickeln und den Wirbel zur rechten Seite heraus drehen.

  • Messing - Wirbel die bereits stark oxidiert (Grünspan) sind, mit der harten, trockenen Seite eines Küchenschwammes (Scotch-Brite) mit etwas unverdünntem Edelstahl/Ceranfeld-Reiniger (Stahlfix, Bref) die Oberfläche des Wirbels putzen, abspülen und sofort abtrocknen. Kein Silberputztuch, Never-Dull-Watte oder andere petroleumhaltige Pflegeprodukte verwenden!

  • Stahl - Wirbel mit korrodierter Oberfläche entweder mit sehr feiner Stahlwolle (Typ 000) oder mit einem Polier-Fließ (Korn 1000 hellgrau oder Parkettpad beige) polieren. Wirbel mit abblätterndem Chrom sollten ausgetauscht werden. Brünierte oder eloxierte Wirbel nur in dem Bereich polieren der sich später im Holz befindet. Kein Metallpflegemittel auf Öl-, Fett-, Benzin- oder Petroleumbasis verwenden - auch kein WD-40 oder Rostumwandler!

Bevor die Wirbel wieder in das Loch des Wirbelstock gesteckt werden, kann man sie mit einfacher Tafelkreide bemalen. Die Kreide füllt feine Unebenheiten im Holz auf - erhöht dadurch die Auflagefläche - und hemmt den Wirbel dadurch etwas mehr.

Wenn die Wirbel nach der Bearbeitung immer noch durchrutschen, sollte die Harfe von einem Harfenbauer begutachtet werden um das Problem zielgerichtet zu lösen (neue Wirbel, dickerer Querschnitt, Loch reparieren und/oder ausreiben ...)

Zuletzt aktualisiert am 17. April 2021 von K.Stielow.